SzepanskiMedia (Gründer von Mille Plateaux)

Kid606 “Despite All My Rave I’m Still Just A Bat In a Cave”, BerlinDas Elektroniklabel Mille Plateaux blickt auf seinen 100. Release. Mille Plateaux initiiert entscheidende Aspekte zeitgenössischer elektronischer Musik, der Videokunst und stellt sie in einen direkten Diskurs. In jeder Form ist sie mit Computersystemen konnotiert, eingeschrieben in die ?Epochalität des Technischen?, und ist im Kontext eines techno-ästhetischen Begriffs zu beschreiben, dem die elektronischen Medien alles andere als äusserlich sind. Sie ist Medienmusik, unabhängig davon ob man Medien konstruktivistisch , als ?medial technische Dispostive? oder als ein entstellenden atopischen Raum von übertragungen problematisiert. Nicht zu vergessen wären jene Ansätze , die mit dreiwertigen Operationen eines G. Günther arbeiten, einer Theorie des Virtuellen bei Deleuze, Hybridmedientheorien im Anschluss an Serres, einer Theorie des Medialen als ökonomie der allgemeinen Austauschbarkeit ,der Bits, die zweifach gegeben sind, und die übertragbarkeit jedweder Information ermöglichen.

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szepanskimedia, Edition Mille Plateaux, Achim Szepanski

Untermainkai 30, 60329 Frankfurt/Main Germany, Phone:0049-69-242 494 43, www.edition-mille-plateaux.com, www.szepanskimedia.com

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ABB: Kid606 “Despite All My Rave I’m Still Just A Bat In a Cave”, Berlin

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Vertretene Künstler:

Walking on Ice Frank Bretschneider - Composer from Berlin, komet elektrolux, Mille Plateaux

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Alva Noto Neue Stadt Skizze 8, Carsten Nicolai, Karl Kliem, Raster-Noton. Mille Plateaux

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Erstaunlich, dass neben der Explikation der Medialität von Sprachzeichen und der Vielzahl von Diskursen über die medialen Weisen der Sichtbarkeit das Feld des Musikalischen in den Mediendiskursen meist ausgespart bleibt. Tritt im Bereich des Visuellen Abbildung und Interpretation des Realen zunehmend hinter der Visualisierung reiner Sichtbarkeit zurück, so nehmen die wenigsten Medienkonzepte die musikalischen Informationspakete und ihre medialen Konstrukte, die in ihrem ekstatischen Wuchern nicht das Reale ,sondern sich selbst (re-) präsentieren, wahr. Musik bildet laut Clement Rosset eine Art Sprache (zu der neurobiologischen und linguistischen Problematik dieser Aussage vgl. Jourdain, ?Das wohltemperierte Gehirn?),eine Signifikantenkette, der jeder Bezug auf ein Signifikant fehlt, sie fungiert nicht als Trägerin von Botschaften, bietet nichts weiter als eine leere Signifikation ,und widersetzt sich jedem Versuch einer Entzifferung, was die Möglichkeit eröffnet sie in jeder Art und Weise interpretieren zu wollen. Ihr einziger Inhalt ist der ihres eigenen Klangs, nicht der einer ausser ihr liegenden Realität. Genauer wäre doch von der Musik als einer verschiedene Einheiten kreuzenden Funktion zu sprechen, die eine Transversale bildet, deren Ausdruck nicht auf Referenzen oder Bedeutungen verweist. Sie konzeptualisiert sich heute in virtuellen Differenzräumen, zu dessen Koordinaten der Act, der Programmierer, die Soft- und Hardware gehören.

Sometimes Amazing geometry in motion! Produced by Pleix. Music: Kid606. Mille Plateaux 2003

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Das Wissen um das maschinelle Processing, der internen Signalführung, zeigt, dass Programmierer längst als Designer fungieren, designen, d.h. das Entwerfen der Bedienungsoberflächen, der Interfaces, ersetzt Gestaltungsprozesse von Hardware. Das Programmieren der Software wird zum Terrain von Designern, die Ergonomie der Hardware verliert an Bedeutung zugunsten des Designs von immateriellen Parametern Icons, Buttons, Windows, etc., die den Zugriff auf die Programmsteuerung möglich machen, während die physikalische Materialität der Signalwege und Kanäle nicht zugänglich ist, aber gegenüber des Software Design Processings auch immer unbedeutender wird. Inputeingaben, Modifikationen, Transformationen von Signalen verschmelzen auf hybriden Oberflächen von Speicher und Programmsteuerung. Solange die machttheoretischen Implikationen von Medienmusiken nicht mitgedacht werden, scheint es immer wieder naheliegend, siehe die endlosen Diskurse über Popdissidenz ,der Musik einen Sinnzusammenhang zuzuschreiben, ein Signifikat der Kraft, die sich in ihr aktualisiert, sei es nun, dass man in ihr das Projekt des Ausdrucks der Wahrheit des Subjekts oder der subversiven kollektiven Kraft sozialer Gruppen sieht. Das Klanglich-Mediale wird dann übersetzt in zynische Zeichen, die einen Platz besetzen für Referenzen, die ein zu interpretierendes Geheimnis repräsentieren. Das Verhältnis von Musik und Diskurs ist aber nicht das von Interpretationen und übersetzungen, sondernd das einer Disjunktion, was man hört, stimmt nie mit dem überein , was man sagt. In den medialen Dispositiven, bei Foucault z.B. im Film, oder in den heutigen Netzwerkmusiken, gibt es eine Form der Nichtübereinstimmung von Sichtbarkeiten zur Aussage bzw. des Klanglichen zur Aussage, in der dennoch beides in Beziehung gesetzt ist, eine asymmetrische Beziehung. Deleuze spricht von wechselseitigen Attacken, von heterogenen Formen, elektronische Musik stellt einer Theorie des Medialen Fragen, umgekehrt entwickelt diese Fragestellungen, die aber nie linear in Musik übersetzt werden. Auch Deleuze spielt mit der Dreiwertigkeit ,wenn der Ort von Fragestellungen, Konfrontationen und Impulsen als Nicht Ort bestimmt wird, der einer informellen Dimension von Machtverhältnissen entspricht, die sich in Formen aktualisiert. Inwiefern korrespondiert das Foucaultsche Dreieck ( Aussagen, Sichtbarkeiten, Macht), das den Dualismus zu einer Pragmatik des Mannigfaltigen öffnet, mit Aussagen über medial-technische Dispositive, die die Relationen Medien-Macht-Musik komplexer denken können als gängige Popdiskurse. Die Musik hat aufgehört,eine Mathematik der Intervalle, der Abstände zwischen den Tönen, die man als Harmonien kategorisiert, zu sein, noch eine Musik der Einteilungen, bei der verschiedene Frequenzen nach ihrer übereinstimmung mit den 12 Tönen zugeordnet werden. Elektronische Syntheseinstrumente klingen im Zwischen der Intervalle und analoge Medien speichern das Reale stufenlos, unabhängig vom Diktat der Notation und des Imperativismus der analogen Instrumente. Doch erst digitale Maschinen verwischen Bedeutungen, zerrütten Sinn, löschen historische Markierungen und Spuren. Sie unterscheiden nicht, sie rechnen, hier ist alles determiniert und kalkulierbar. Schon das Sampling entzieht sich jener Methode des Cut-Up, die im Zerschneiden und Hinzufügen von Texten, immer die Einheit ihres Systems bestätigt. Sampling setzt programmgesteuerte Verarbeitung von Signalen als autonom ablaufende Transformation voraus, seine Software Applikationen besitzen diverse Features, wie stretchen, repeat, cut-copy-paste, die es ermöglichen selbst die Programme zu samplen, womit die Unterscheidung von Daten und Programmen in selbstreferentiellen Prozessen selbst aufgehoben wird. Computer verfahren rekursiv, d.h. die Ergebnisse ihrer Berechnungen stellen die Anschlussfähigkeit für weitere Berechnungen bereit. Sie optimieren Unvorhersehbarkeit, wenn die Anfangsbedingungen des Systems durch Umkehrbarkeit nicht wiederhergestellt werden können, und zugleich auch Nicht-Linearität. Beides ist in den Verflechtungen der Programmroutinen einprogrammiert. Cut-Copy-Paste sind Sequencerstandards, Steuerbefehle von Programmieren als Programmoption mitgegeben. So wird mittels eines Satzes endlicher Verknüpfungsregeln ein Möglichkeitsfeld produziert, innerhalb dessen Maschinen selbst-bewusst prozessieren. Bildschirmmusiken entstehen, bei denen die Referenz, die der Ton dem Bild bezeugt, eine beliebige ist, sie könnte immer auch anders sein. Die Oberfläche zeigt aber schon längst keine Bilder mehr, sondern Modelle, in denen die Musik auf ästhetische Konnotationen verzichtet und rein operativ wird. Nur so kann Musik metastatisch wachsen. Clicks & Cuts sind dessen Symptome: omnipräsent und referenzlos. Hier hören wir das Dazwischen, den Sprung, der Loops verkettet, die übergänge, und selbst dort wo Clicks das Wesentliche des Metrums, den kontinuierlichen Schlag simulieren, sind sie doch immer mehr Phrasierung als Metrum, bei der die vorhersagbare Abfolge von Betonungen einer ständigen Verschiebung von Betonungen weicht. Clicks & Cuts : Konjunktionen als permanente Ekstase und…und…und… Sie verweisen auf anderes, ihr Mediales besteht in permanenter Anschlussfähigkeit, ihr Potential kann sich nur als der Kontext eines Ereignisses entfalten, eines musikalischen Ereignisses z.B., einer konsistenten Kopplung von ihnen mit musikalischen Formen:. Clickhouse, Clicktechno, R&B Click, Glitchfunk, Neuronenhouse, etc. . Clicks & Cuts funktionieren als das Entweder und das Oder und vielleicht auch das Andere. Ihre Unbestimmtheit ist die der Unbestimmtheit der digitalen Medien, die sich in der dreiwertigen Topologie des Computers zeigt. In der binären Schaltungslogik findet man nicht nur on und off, sondern auch den Schalter, der die Schaltungszustände überträgt. Er ist das undarstellbare Symbol, das Medium, oder der Ab-Ort, der die stellenwertigen Zustände, null und eins, ermöglicht. Clicks & Cuts: überall Verschaltungen, Verschiebungen, Transfer, Transduktionen, trans….Interfacepolitk und -musik mutiert zur Transferpolitk und -musik. Die Vorstellung des Inter, das die Trennung von Mensch und Maschine gerade festhält, verschwindet in der Wucherung von vielen Transaktionen, bei der die Künstlerinstanz weder interaktiv agiert noch navigiert. Sie ist mit ihren subjektivierten maschinellen Komponenten mit den technologischen Komponenten des Maschinellen verschaltet, insofern es ihr obliegt sich in Prozesse einzuschalten. Nur im Browsing funktionieren die Verknüpfungen von losen Elementen zu festeren Kopplungen noch, wenn Unterscheidungen getroffen werden: Der Musiker beobachtet und klickt. Das Klicken der Maus ist auch die in ihrer Intensität gleichbleibende oder sich durch die Taktung ändernde Störung, die die Nervenzellen erregt. Foerster spricht von den Klicks als dem Vokabular der Neuronen. Störungen von aussen pflanzen sich in Form von elektrischen Impulsen längs der Nervenfasern fort. Wenn eine Mikrosonde in die Nähe eines Axons angebracht wird, und diese über einen Verstärker an Lautsprecher angeschlossen wird, hört man die Störung als Clicks. Dabei ist die physikalische Ursache der Erregung aber in den Aktionen der Nervenzellen nicht enthalten,nur die Intensität der Störung, die die Aktion verursacht hat. Signale, die dem Gehirn zugeführt werden, sagen nicht eine Farbe oder einen Ton, sondern eben nur Click. Clicks sprechen von keinen Bedeutungen und Essenzen, sondern nur von Intensitäten und Verbindungen. Die Wahrnehmung eines Tons oder Farbe weist den bedeutungsfreien neuronalen Prozessen Bedeutung zu, sie konstruiert und interpretiert, bleibt aber auf komplexe neuronale Zustände bezogen. Im Koppeln und Enthoppeln von musikalischen Formen, im Bewerten findet die Künstlerinstanz einen flüchtigen Ort, der der ständigen Variation durch Zeit- und Raumkonstellationen durch mediale Imperative ausgesetzt ist. Die Musik generiert ihre Formen nicht mehr aus sich selbst, sondern aus den Elementen aller Systeme, Musik wird Graphik, wird Information, Politik macht Musik, Musikvideos machen Politik, Hacken wird Musik, etc. Alles funktioniert ohne Verschmutzung im Irrsinn der Verschaltung von Maschinen, Semantiken, Strategemen. Das Werk wird zum Netzwerk. In einem Moment, in der sich die Boomphase des Internets abschwächt, und elektronische Musik zwischen offline Produzieren, Resultate ins Netz stellen und MP3 file sharing pendelt, ist man weit davon entfernt , Netzklänge zu produzieren, immanente Netzmusik, die im Netz operationalisiert, verteilt und ausgetauscht wird, zu prozessieren. MP3 befriedigt nur noch Sammlerleidenschaften. Datenpakete werden in Zukunft weniger auf der eigenen Festplatte, als einfach im Netz sein, entscheidend ist dann nicht mehr das Kopieren, sondern die Frage nach den techno-logischen Zugriffsweisen. Streamen. In der sog. telematischen Interaktivität scheint, was sprachliche Kommunikation als permanenter Feedback Fluss von Mitteilenden zu Adressaten per se impliziert, wiedereingeführt in den technologischen Komplex der durch Einseitigkeit bzw. Einwegkommunikation gegenzeichneten Massenmedien. Neue Technologien erlauben es Bilder, Texte, nicht existierende Objekte, die aber wahre virtuelle Gegenstände sind, wie reale Gegenstände zu manipulieren und zu transformieren. Sie verlieren ihren Status der Fiktionalität wie bei Massenmedien und dennoch ist ihr Status ein völlig anderer als bei sprachlicher Kommunikation. Adressat und Mitteilender bleiben getrennt, der Benutzer steht in Beziehung zu Maschinen, die weder kommunizieren, noch Bedeutungen produzieren. Die Outputs der Maschinen sind abhängig von internen Programmroutinen, der Prozess eines gegenseitigen Verstehens folgt einer anderen Logik als bei sprachlicher Kommunikation. Guattari hat ohne sich auf die Rekursivität, Nicht-Trivialität von Computern zu beziehen, der Maschine eine Protosubjektivität zugeschrieben, deren Verbindung mit menschlichen Subjektivitätskomponenten nicht nach den Modellen sprachlicher Kommunikation bzw. Interaktion gedacht werden kann .Die Geschichte ihrer Vermittlungen, übersetzungen ist eher eine von Transaktionen, statt von Interaktionen. Die Eigenständigkeit der Pole, nichtintentionale Subjekt und Objekte, verliert an Wichtigkeit gegenüber den verschiedenen Weisen des Verbindens. Die Verflüssigung musikalischen Materials,das in Netzwerkmusiken digital codiert ist, macht jede neoadornitische Diskussion über Materialfragen obsolet. Instantanes Datenprocessing verweist auf die Flüchtigkeit des Werkes, auf seine Multiplikation in Edits, Re-Edits, Versionen, Variablen, Remixen, Aufschiebungen, etc. Die Datenpakte werden temporalisert, deren Permutation ist einem Code übergeben, der Anschlussfähigkeit und Kompatibilität von Operationen prozediert. Bedeutungs- und Sinneffekte prozedieren Computermusiken in tele-topologischen Netzen nur in der Form von anschlussfähig/nicht-anschlussfähig. Jeder Track ist dann mehr eine zeitweise Unterbrechung der Anschlussfähigkeit, denn ein fixiertes reguläres Werk. Daraus entsteht eine Notwendigkeit zu permanenter Innovation ,in Form der Befragung eines Tracks nach den Möglichkeiten von Aussenanschlüssen. Musik als System von Beziehungen inszeniert das Mentale neu und aktiviert Muster, mit der Musik wahrgenommen und von aussen Bedeutung herangetragen wird. Zugleich potenzieren Mediensysteme in Netzwerke weniger Sinneffekte denn Sinnzerrüttungen, bedeutungslose Bedeutungsträger Musiken sind für Bedeutungen offen. Wo Maschinen Nachrichten, Signale übertragen, die stets schon Informationen anderer Maschinen sind, sind Bedeutungen kurzfristig kodifizierte Bestände als Abstände der Informationen voneinander. Bei momentaner Verortung, in der Unterbrechung von Beschleunigungen, der musikalischen Reformierung des musikalischen Materials, könnte diskutiert werden, wie von einer Problematisierung des physikalischen Materialbegriff auf die Problematisierung der programmgesteuerten Transformation des Materiellen übergegangen werden kann, Programmsteuerung, die das Material in Transjunktion mit subjektiven Komponenten allererst generiert. Um damit auf eine Hauptströmung elektronischer Musik zurückzukommen, den Minimalismus, der mikroskopische Reduktionen vornimmt, kleinste Patterns erfindet, die repetitiert und variiert werden: Der Minimalismus, der das Innenleben der Klänge und Musikobjekte prozediert, wäre zugunsten einer Superkontextualisierung aufzugeben, zugunsten der Produktion polyvalenter Gefüge. Das entspräche auch den Formierungen des Medialen, denn in Bezug auf Medien ist die Form immer nur im Verweisungshorizont auf andere Formen gegeben, aktualisiert sich stets in der Anschlussfähigkeit, während das Medium virtuell präsent ist.

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